Das ist eine Message, die man sehr häufig hört und liest und mir manchmal wie so eine schicke “moderne Weisheit” vorkommt als Ersatz für den Bauernkalender.
Manches von meiner Arbeit im Coaching fusst natürlich auch auf einer Überzeugung, die sich mit dieser Message überschneidet. Auch ich mache eine Form des “mentalen Coachings”.
Sprich diese Botschaft, das Denken bestimme das Leben, halte ich zum Teil für sehr wahr und ohne diesen wahren Teil wäre Coaching, wäre persönliche Veränderungsarbeit gar nicht möglich, wären wir doch dann alle im Grunde nur kaum entwickelte Tiere, die allein von Trieb und Instinkt gesteuert dumpf durchs Leben ziehen würden, ihrem Schicksal und ihren Lebensumständen zu 100% ausgeliefert.
Aber ich habe doch den Glauben, dass das sooo nicht ist
Doch das andere Extrem wäre, zu denken, Alles sei für dich mach- und veränderbar, Hauptsache “deine Denke stimmt”.
Vielleicht ist das eher eine Aussage, die man einem Gott unterstellen könnte, der alles durch sein Denken und sein Wort erschaffen und steuern kann, der über Alles regiert. Aber ein Mensch?
Ich frage mich, wer diese Menschen sind, die so etwas im Ernst in aller Entschiedenheit und Absolutheit behaupten?
Menschen, die einfach Kohle machen wollen und ihr Marketing übertreiben?
Oder Leute, die sich das selbt jeden Tage einhämmern in der Hoffnung, “ihr Wille geschehe” tatsächlich mal auf wundersame Weise, wenn sie nur jeden Tage daran “denken”, “glauben” oder entsprechende “Affirmationen” und Mantras” aufsagen?
Oder solche, die Andere dazu bewegen wollen, im Grunde das Gleiche zu denken wie sie selbst.
Oder vom Gejammer Anderer genervt sind und sie motivieren wollen (wenn auch vielleicht etwas ungeschickt), so etwas wie machbare Veränderung in ihrem Leben einzuleiten.
Oder einfach Journalisten, die ihren Artikel in Gehirn und Geist platziert wissen wollen (nein, ich finde G&G meistens gut
) …
Nun, im Grunde kann man natürlich seine Meinung dazu haben und auch daran glauben, das der alleinige, bestimmende Faktor des Lebens das eigene Denken sei.
Schwierig wird es nur, wenn man sich selbst ins Aus schupst, weil man irgendwie nach einem halben Jahr angestrengter Denke immer noch arbeitslos oder krank oder Beziehungsschwierigkeiten hat und dann noch mehr oder erst so richtig an sich selbst verzweifelt.
Schwierig, wenn man Andere in die mentale und emotionale Bredouille bringt: “Wenn du nur richtig glauben würdest…”, “Du musst positiv denken!”, “Wie, du sagst deine Affirmationen nicht 20 mal täglich auf, kein Wunder, dass das mit dir nichts wird!”
Es gibt mehr als ein reines, persönliches Denken, es gibt das Fühlen, das Wollen, die Komplexität des eigenen Seins, das Verwobensein auf mehreren Ebenen in sich selbst, Erinnerungen, Fähigkeiten, Eigenheiten und die Komplexität des Lebens in Systemen und Beziehungen, die selbst wiederum komplex und vielschichtig sind; und in jede Richtung Dynamiken am Wirken sind, derer wir bewusst und mancher unbewusst sind. Manches steuer- oder mitbeeinflussbar, Manches nicht, so gar nicht.
Es ist gut, mental an sich zu arbeiten, über seine Gedanken, Gefühle, Dasein nachzudenken, zu reflektieren, sich coachen zu lassen und sich selbst zu coachen. Eine Veränderung geht damit in der Regel wirklich einher, in welcher Form in welchem Ausmaß auch immer. Das ist gut und sinnvoll.
“Dein Denken bestimmt dein Leben” – als alleiniges, absolutes Credo – ist allerdings eine Falle. Eine Falle, in der Sie sich oder denen, denen Sie diesen Glauben drücken wollten, eine unnötige und unbarmherzige Last auferlegen.
So eine absolute Denke ist für den Orkus!
Machen Sie diesen Glaubenssatz weicher und damit lebbarer!
Dein Denken bestimmt viel, aber nicht alles. Mehr Realitätssinn bedeutet auch, ein Stück Gnade sich und Anderen gönnen! Und dann mag eine angestrebte Veränderung vielleicht sogar manchmal leichter initiiert werden als wenn man nur auf eine reine Denkleistung des Einzelnen setzt, wer weiß ?!